Zentral ist der Abschied von Glaubenssätzen in der Personalauswahl
Die Prognosekraft von Bewerbungsunterlagen allgemein bzgl. beruflicher Leistung ist mit r = 0.18 äußerst schwach.9 Eine sehr gute prognostische Validität bzgl. beruflicher Leistung liefern Instrumente mit verlässlichen Korrelationskoeffizienten zwischen r=0.50 und r=0.70; für eine gute sind Korrelationskoeffizienten zwischen r=0.30 und r=0.50 nötig.10
Die folgende Tabelle gibt einen Ein- und Überblick zur Prognosekraft einzelner Instrumente der Personalauswahl.
| Eignungsdiagnostisches Instrument |
Validitätskoeffizient |
| Graphologische Gutachten |
0.02 |
| Arbeitsprobe |
0.54 |
| Assessment-Center |
0.37 |
| Bewerbungsunterlagen allgemein |
0.18 |
| Intelligenztests |
0.51 bis 0.56 |
| Spezielle Eignungstests |
eher hoch |
| Persönlichkeitstests |
0.15 / 0.27 |
| Unstrukturierte Einstellungsinterviews |
0.20 |
| Strukturierte Einstellungsinterviews |
0.51 |
| Multimodales Interview (MMI) |
bis zu r = 0.52 |
| Probezeit |
0.44 |
Tabelle: Eignungsdiagnostische Instrumente und Validitätskoeffizienten11
Eine weitere weitverbreitete Fehleinschätzung besteht beispielsweise darin, überzeugt zu sein, dass pauschal ein Zusammenhang zwischen der Berufserfahrung und der beruflichen Leistung besteht. Tatsächlich beträgt die Aussagekraft über das Kriterium „Berufsjahre“ nur 7%.12
Schon zu Beginn des Bewerbungsprozesses: Talente und geeignete Bewerber bitte draußen bleiben!
Damit stellt sich ein zentrales Problem: Aufgrund von Glaubenssätzen werden die Personalauswahlinstrumente mit der geringsten Prognosekraft bzgl. beruflicher Leistung, die Bewerbungsunterlagen, an die erste Stufe des Personalauswahlprozesses gestellt. Und das mit starker Selektionswirkung. So werden schon frühzeitig zu Beginn des Bewerbungsverfahrens geeignete Bewerber und Talente abgewiesen, die statistische Wahrscheinlichkeit geeignetes Personal zu identifizieren und zu gewinnen erheblich reduziert. Mittels eines Kaskadenmodells sollten Bewerbungsunterlagen daher eher nach wenigen qualitativen Kriterien analysiert werden. Verhaltensnah formulierte Stellenbeschreibungen könnten mehr geeignete Bewerber ansprechen oder ungeeignete zur Selbstselektion veranlassen. Beides würde die Basisrate geeigneter Kandidatinnen erhöhen.
Glücksspiel Bewerbungsgespräch
Um die Prognosekraft von Bewerbungsgesprächen von lediglich 4% auf bis zu 32,5% zu steigern müssen sie anforderungsbezogen und mit situativen und biographischen Fragen versehen werden.13 So wird aus einem völlig prognoseschwachen Bewerbungsgespräch ein valides teilstrukturiertes Interview. Darauf ging ich in meinem Beitrag im Blog mit Benfit! vom 11. Januar 2022 ausführlicher ein.
So gewinnen kleine und mittelständische Unternehmen, der Mittelstand, Talente!
Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sind im Vorteil bei der Identifizierung und Gewinnung von Talenten, die Großunternehmen nicht erkennen, wenn sie nicht deren Fehler im Personalauswahlprozess übernehmen und sie sich auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Bewerbern konzentrieren, statt auf deren schriftliche und verbale Darstellungen, die Bewerber – angeregt aufgrund von weitverbreiteten Informationen im Internet – übernehmen und die Personaler bereitwillig wie ein Theaterstück mit klar verteilten Rollen und nach bekanntem Drehbuch übernehmen.
Optimierter Recruiting-Prozess und Recruiting-Instrumente
Zusammenfassend geht es darum, sich von Glaubenssätzen der Personalauswahl, vom Bauchgefühl, der Intuition, mit Verweis auf langjährige Erfahrung bei der Personalauswahl zu verabschieden. Es gilt, die massive Selektionswirkung durch die äußerst prognoseschwachen Bewerbungsunterlagen schon zu Beginn des Personalauswahlprozesses und die Verwendung quantitativer Kriterien deutlich zu verringern und damit die Anzahl potentiell geeigneter Bewerber zu erhöhen. Die statistische Wahrscheinlichkeit, geeignete Bewerber oder gar Talente über eine solch höhere Basisrate zu identifizieren, steigt um ein weiteres, wenn diese größere Anzahl geeigneter Bewerber in der Folge anhand prognosestarker personaldiagnostischer Instrumente (siehe Tabelle) ausgewählt werden. Ein weiterer entscheidender Punkt ist, Bewerbungsgespräche nicht mehr auf herkömmliche Weise durchzuführen, so wie sie von über 90% der Unternehmen durchgeführt werden, sondern teilstrukturiert und damit eignungsdiagnostisch orientiert. Bewerbungsgespräche werden so zu einem echten Personalauswahlinstrument.
Was sich hier komplex lesen mag, ist es in der betrieblichen Personalauswahl tatsächlich nicht. Schon mit wenigen Stellschrauben können KMU den Fachkräftemangel effektiv angehen, da sie sich mittels der oben dargestellten Vorgehensweise Talente erschließen, die bisher und auch von Mitbewerbern unentdeckt blieben. Der Aufwand für eine eignungsdiagnostisch orientierte Bewerberauswahl kann je nach Unternehmensgröße und zu besetzender, vakanter Position angepasst werden.
Hier erfahren Sie mehr zur Personaldiagnostik bzw. zur Management-Diagnostik.
Und hier geht es zum eignungsdiagnostisch optimierten Recruiting.
Fotos: Universität Kassel, © Manfred Baumert/Kassel
2benefit GmbH Personalberatung Kassel – Die Köpfe entscheiden den Wettbewerb!
Führungskräfte gewinnen – stärken – entwickeln
Führungskräfte Coaching und Führungskräftetrainings für gute Mitarbeiterführung aus Kassel
Eignungsdiagnostisches Recruiting, Führungskräftetrainings, Seminare für Führungskräfte, Führungskräfte-Coachings und Business Coachings der 2benefit GmbH Kassel
#dieköpfeentscheidendenwettbewerb
Quellen:
1 Stephan / Westhoff, 2002, S. 3
2 Kanning, 06.07.2017
3 Weuster, 2008, S. 7
4 o.V. Informatiker-Blog http://blogs.construx.com/blogs/stevemcc/archive/2008/03/27/productivitysvariations-among-software-developers-and-teams-the-origin-quot-10x-quot.aspx, Zugriff: 29.05.2009
5 Schollwöck, 2010., S. 83
6 FAZ, 21.03.2021
7 FAZ, 25.01.2022
8 FAZ, 13.11.2021
9 Spinath / Unz, 2007, S. 48; Krumm / Schmidt-Atzert, 2009, S. 16f.; Reilly / Chao, 1982, o.S. in Petersen, 2004, S. 68; Schuler, 2000, S. 111; Jetter, 2008, S. 88; Schuler / Höft, 2007, S. 316; Bles, 2007, S. 227; Huffcutt / Arthur, 1994, o.S. in Gourmelon, 2009, S. 207; S & F Personalpsychologie Managementberatung GmbH: ttp://www.personalpsychologie.de/personaldiagnostik/multimodales_interview_mmi/, Zugriff: 04.06.2012; Schuler, 2000, S. 143
10 Achouri, 2007, S. 80; Schuler, 2000, S. 47
11 Spinath / Unz, 2007, S. 48; Krumm / Schmidt-Atzert, 2009, S. 16f.; Reilly / Chao, 1982, o.S. in Petersen, 2004, S. 68; Schuler, 2000, S. 111; Jetter, 2008, S. 88; Schuler / Höft, 2007, S. 316; Bles, 2007, S. 227; Huffcutt / Arthur, 1994, o.S. in Gourmelon, 2009, S. 207; S & F Personalpsychologie Managementberatung GmbH: ttp://www.personalpsychologie.de/personaldiagnostik/multimodales_interview_mmi/, Zugriff: 04.06.2012; Schuler, 2000, S. 143
12 Kanning, 2018
13 Kanning, 06.07.2017