Die Coaching-Branche ist extrem unübersichtlich
Die Coaching-Branche ist extrem unübersichtlich. Da die Tätigkeit als Coach nicht als Berufsbezeichnung geschützt ist, gibt es sehr viel Freiraum für unseriöse Anbieter. Viele Coaching Anbieter werben mit verschiedensten Zertifikaten. Solche Ausbildungen dauern zwischen lediglich einem Wochenende, wenigen Wochen, mehreren Monaten bis hin zu einem Fachhochschulstudium. Aktuell bestehen in Deutschland über 400 Coaching Ausbildungen (Kanning, 2021). Auch der Verweis auf eine der 20 Berufsverbände (Kanning, 2021) ist nicht zielführend. Auch hier gibt es Coaching Berufsverbände, die unseriöse Beratungsmethoden (NLP, Esoterik, Coaching mit Tieren) vertreten oder Coachs, die solche Methoden anwenden, aufnehmen. Und ob der Coach oder sein Institut in der Praxis wie angegeben tatsächlich mit wissenschaftlich anerkannten Beratungstechniken und Methoden arbeitet, wird auch nicht überprüft bzw. ist schwer nachprüfbar. Auch eine professionelle Homepage gibt zu dem fachlichen Können des Coachs nur unzureichend Auskunft. Eine professionelle Homepage sagt nur aus, dass die Homepage professionell gestaltet wurde und nichts über die beruflichen Kompetenzen des Coachs. Eine unprofessionell gestaltete Homepage gibt lediglich darüber Auskunft, dass sie wenig ansprechend oder wenig überzeugend ist, aber nichts über die tatsächliche Qualifikation des Coachs. Kundenrezensionen helfen auch nicht wirklich weiter. Sind das Stimmen von Mandanten oder tatsächlich aus dem Freundes- und/oder Bekanntenkreis des Coachs? Und wenn es reale Kundenstimmen zum Coaching sind, wurden sie dem Coach zuliebe so verfasst, wurden sie vom Coach überarbeitet oder, wenn beides nicht der Fall war, was sagen diese über die Kompetenzen des Coaches aus zu den ganz spezifischen Themen, zu denen ich Coachingbedarf habe? Oder der Verweis auf Unternehmen, mit denen der Coach schon zusammengearbeitet haben will: Hat er tatsächlich mit dem Unternehmen oder mit einer der Filialen gearbeitet? Hat der Coachee, der Klient, das Coaching privat in Anspruch genommen und der Coach oder das Coaching Institut wirbt zugleich mit dem Unternehmen, bei dem der Mandant beschäftigt ist? Zertifikate, die Mitgliedschaft in Coaching Berufsverbänden, die Internetseite des Coachs oder Rezensionen helfen also nicht weiter.





