Eignungsdiagnostische Personalauswahl von Führungskräften: Stelleninserate zur Personalbeschaffung oder Personalauswahl?
In vielen Unternehmen werden Stellenanzeigen allein zur Personalbeschaffung, des Personalmarketings und nicht zur Personalauswahl verwandt. Dabei können anforderungsbezogene Inserate einen Beitrag zur erfolgreichen eignungsdiagnostischen Personalauswahl leisten. Spreche ich mit der Anzeige viele Ungeeignete an, können auch die prognosestärksten Personalauswahlinstrumente kaum Wirkung entfalten.
Recruiting: Selbstselektion der Bewerber durch anforderungsbezogene Formulierungen von Stelleanzeigen fördern
Formulierungen in Anzeigen „wie mit mehreren Bällen jonglieren“ sollen Bewerber ansprechen, die stark wettbewerbsorientiert sind. Beispielsweise Menschen, die spielerisch an Akquise und Vertrieb herangehen, die in Aktion, Tagesgeschäft und weniger in Strategie denken. Hieran wird deutlich, dass Unternehmen mit entsprechend formulierten Stelleninseraten, die Selbstauswahl, Selbstselektion der Bewerber fördern können. Auch, wenn diese Effekte angeblich gering sein sollen, kann es ein frühzeitig platzierter Baustein innerhalb eines eignungsdiagnostischen Personalauswahlprozesses sein, der die Menge geeigneter BewerberInnen erhöht und zusammen mit prognosestarken Personalauswahlinstrumenten auch die Wahrscheinlichkeit, gute, sehr gute oder exzellente MitarbeiterInnen für das Unternehmen zu gewinnen. Eine hohe Wirkung erzielen Stellenanzeigen, die auf Grundlage einer Anforderungsanalyse einen starken Anforderungsbezug zur ausgeschriebenen Stelle aufweisen. Zwar stellt die Positionsbezeichnung Kommandant statt Teamleiter keinen konkretisierten Anforderungsbezug dar, die Bezeichnung Teamleiter „triggert“ aber ggf. ungeeignete BewerberInnen an, die vielleicht Schwierigkeiten haben, zu befehlen (nicht anzuordnen!) oder Verantwortung ohne entsprechenden Teamrückhalt zu übernehmen.
Assessment Center: erfolgreich in der Offiziersauswahl und Wirtschaft, sinkende Validität in der Gegenwart
Die Ursprünge der Assessment Center liegen in Deutschland. Ihre Vorläufer, die führerlosen Gruppendiskussionen und die situationsbezogenen Verhaltensübungen, wurden erfolgreich zur Offiziersauswahl in der Reichswehr eingesetzt. Während AC in Deutschland zeitweilig wieder in Vergessenheit gerieten, wurden Assessment Center wegen ihrer guten Prognosestärke in den 50er Jahren zunehmend in der US- Wirtschaft verwandt. Die amerikanische Telefongesellschaft AT&T nutzte Assessment Center zur Bewertung von Nachwuchsführungskräften. Ab Mitte der 70er Jahre wurden AC dann auch in der deutschen Wirtschaft eingesetzt. In der Gegenwart wird eine abnehmende Prognosekraft der Assessment Center beklagt. Dies liegt allerdings nicht am AC selber, sondern an seinen Verwendern. So erzählte mir eine frühere Kollegin, dass ein Personalberater in ihrem Unternehmen zur Auswahl von Personalreferenten die Postkorbübung einsetzte. Ein Anforderungsbezug war somit nicht gegeben. Nur ein Anforderungsbezug auf Basis einer Anforderungsanalyse einer ganz konkreten Stelle, deren Berufsbild in jedem Unternehmen unterschiedlich ausgefüllt sein kann, ergibt eine höhere Aussagekraft zur beruflichen Leistung des Bewerbers.
Zusammenfassend: Stellenanzeigen sollten nicht allein dem Personalmarketing überlassen, sondern im Sinne eines optimierten Recruitings Bestandteil eines eignungsdiagnostischen Personalauswahlprozesses sein. Anforderungsbezogene Stellenbeschreibungen fördern die Selbstauswahl der BewerberInnen und erhöhen damit im Idealfall die Anzahl geeigneter BewerberInnen in der Personalauswahl.
Mit seinem Zwischenruf zur Stellenformulierung des Panzerkommandanten lag der Inspekteur des Heeres instinktiv richtig. Denn die Köpfe entscheiden den Wettbewerb! Auch bei einer darüber hinausgehenden Auseinandersetzung…
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Fotos: © Manfred Baumert/Kassel, 2021
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